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Fachinformationen

Zusatzinformation

Weitere Hintergründe

Zusatzbericht zur Fachinformation für Mediziner
Die US-Umweltbehörde EPA wusste es schon 1995: „Von der Innenraumluft gehen die größten Risiken für die nationale Gesundheit aus.“ Sie verwies dabei auf eine skandinavische Studie, bei der im Prüfkammertest gesunde Probandinnen auf die Emissionen von Laserdruckgeräten mit Reizungen der Atemwege, der Augen, der Haut und Kopfschmerzen reagierten.
Dieses Beschwerdebild deckt sich mit den Ergebnissen der sog. Toner-Pilotstudie der Universität Gießen, die 2006 im staatlichen Auftrag durchgeführt worden war.
Die Studie hat erstmals die Emissionen der Geräte und die Gesundheit der Bürobeschäftigten unter realen Bedingungen untersucht. Sie kam zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der 63 untersuchten Drucker schon nach einem Druckauftrag die Raumluft signifikant mit Feinstäuben und ultrafeinen Partikeln belastet. Auch erhöhte Belastungen mit flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC, Benzol und Styrol) wurden gemessen. Es wurden Feinstaubbelastungen von bis zu 250 µg/m3, dem Fünffachen des EU-Außengrenzwertes, gemessen sowie Spitzenbelastungen mit ultrafeinen Partikeln von bis zu 250.000/cm3. Neueste Messungen der Bundesanstalt für Materialprüfung ergaben sogar Belastungen der Raumluft mit bis zu einer Milliarde Partikel pro Seite! Im Rahmen einer Ergänzungsstudie zur Toner-Pilotstudie wurden die Partikel erstmals qualifiziert. Bis zu 10 % der Partikel konnten als sog. Nanobubbles identifiziert werden, Zusammenballungen von tonertypischen Schwermetallen und VOC. Diese metallischen Partikel sind lungengängig und können damit wie Trojaner ins Blut und alle Organe gelangen.
Die toxischen und krebserregenden Wirkungen inhalierter Nanopartikel sind durch zahlreiche Studien belegt. Bei den im Rahmen der Toner-Pilotstudie untersuchten Bürobeschäftigten handelt es sich um vollkommen normale Leute, die eher gesundheitsbewusst, selten Raucher, nicht umweltbesorgt und ursprünglich von guter Gesundheit sind und auffällig unter einem typischen Beschwerdebild leiden, das dem Sick-Building-Syndrom entspricht, unter dem weltweit Millionen Menschen leiden, ohne dass die Ursachen geklärt sind. Weitergehende Untersuchungen von elf Probanden aus zwei Bürokollektiven des Öffentlichen Dienstes ergaben bei Zweidrittel ein überempfindliches Bronchialsystem.
Im Vorfeld der Studie berichtete das wissenschaftliche Journal Umweltmedizin in Forschung und Praxis schwerpunktmäßig in acht Beiträgen. Fazit: Es gibt seit über 15 Jahren aufgrund internationaler Humanstudien wissenschaftlich belastbare Hinweise für Schädigungen von Menschen durch Toner.
Die LGA Bayern, die seit 10 Jahren viele hundert Untersuchungen durchgeführt hat, stellt fest: „Unstrittig ist, dass Laserdrucker während des Druckprozesses flüchtige organische Verbindungen (FOV), Ozon und Tonerstaub emittieren.“ Auch Schwermetalle (v. a. Nickel und Kobalt) werden regelmäßig festgestellt und in zunehmendem Maße die Ultragifte Dibutylzinn und Tributylzinn, das 2008 weltweit für Schiffsanstriche verboten wurde.
DBT wirkt noch toxischer als TBT und v. a. immunsuppressiv, indem es die Glucokorticoid-Rezeptoren blockiert. Dies ergab eine neue Studie von Wissenschaftlern aus der Schweiz und San Diego.
Eine australische Studie bestätigte die Emissionen ultrafeiner Partikel. 40 % der 62 untersuchten Laserdrucker belasteten die Atemluft schon nach einem kurzen Druckauftrag.
17 Geräte von Hewlett-Packard hatten sehr hohe Emissionen. Spitzenwerte entsprachen Zigarettenrauch. Zusammen mit Forschern des WKI Braunschweig wurde 2008 festgestellt, dass die ultrafeinen Partikel überwiegend kein Toner, sondern organischer Natur sind und in der Fixiereinheit entstehen. Auch Flammschutzmittel wurden nachgewiesen. In einer Nachuntersuchung an zwei Laserdruckern von Hewlett-Packard stellten die australischen Forscher fest, dass die Emission ultrafeiner Partikel mit der Erhitzung zusammenhängt und beim Aufschmelzen des Toners auf das Papier entstehen.
Forscher aus Barcelona wiesen 2007 durch einen Provokationstest bei einer Sekretärin nach, dass der Tonerstaub zu Beeinträchtigungen der Stimme, Enge in der Brust, inspiratorischem Stridor und Abfall des Spitzenflusses in der Lungenfunktion führte. Schon 2003 hatten Wittzack et al. bei einer Schulsekretärin den Nachweis geführt, dass Toner Rhinitis und Asthma verursachten.
Eine epidemiologische SBS-Studie aus England an 342 Bürobeschäftigten bestätigt, dass Emissionen aus Druckern und bedruckte Papiere für die Beschwerden verantwortlich sind. Im Tierversuch wurde die krebserregende Wirkung von Nanopartikeln und Feinstäuben, darunter auch Toner, nachgewiesen.
Forscher der Universitäten Gießen und Freiburg haben auf der Tagung der DGPT im März 2008 in Mainz die Ergebnisse zur gentoxischen Wirkung von Tonern auf menschliche Lungenzellen vorgestellt.
Der Stiftung nano-Control liegen über 2.000 schriftliche Mitteilungen von Menschen, darunter Ärzte, Professoren, Ingenieure, Anwälte, Journalisten und über 160 Polizisten vor, die unter Beschwerden in Verbindung mit der Nutzung von Laserdruckgeräten leiden.
Das Erkrankungsbild entspricht dem Sick-Building-Syndrom mit Reizungen und Entzündungen der Atemwege (85 %), der Augen (42 %) und der Haut (27 %) sowie Kopfschmerzen. Die Erkrankung, die man als Nanopathologie bezeichnen könnte, beginnt zumeist wie eine Erkältung, die jedoch nicht abklingt. Typischerweise kommt es zu einer chronischen Sinu-Bronchitis mit asthmatischen Beschwerden und Schädigung der peripheren Bronchien. Besonders häufig und schwer sind stark tonerexponierte Personen betroffen (9 %), wie Servicetechniker. Jeder zehnte registrierte Servicetechniker hat Krebs.
Durch in-vitro-Tests an Mucosazellen der Bronchien und des Enddarms konnten nach Provokation mit Toner und Tonersubstanzen systemische Mastzellreaktionen nachgewiesen werden. Die Betroffenen reagieren spezifisch auf bestimmte Toner und auf geringste Mengen. Die genauen Wirkmechanismen sind noch unklar und werden als toxisch und pseudoallergisch eingestuft. Es handelt sich nicht um Typ-I-Allergien. Zum Teil sind es Typ-IV-Reaktionen. Auffallend hoch ist der Anteil der Metallallergiker, v. a. unter den Frauen (29 %). Bei sensibilisierten Patienten können kurze Raumluftkontakte und sogar tonerbedrucktes Papier genügen, um einen akuten Erkrankungsschub auszulösen. Nickel, Kobalt und andere tonertypische Metalle werden immer öfter in Haaren, Blut und Urin nachgewiesen. Häufig wird ein hyperreagibles Bronchialsystem festgestellt. Die Überempfindlichkeit bildet sich teilweise unter Tonerkarenz zurück. Die Betroffenen sind nur zu 15 % Raucher und psychisch unauffällig. 70 % erkranken dauerhaft, und jeder Fünfte musste den Beruf aufgeben.
Von 32 im Vorfeld der sog. Tonerstudie untersuchten Polizeibeamten hatte jeder zweite toxisch veränderte Nasenschleimhäute. Die registrierten Verdachtsfälle von Erkrankungen durch Toner sind zweifellos nur die Spitze eines enormen Dunkelfeldes. Bei gezielter Suche wird man in erschreckendem Maße fündig und mit allergologischer Standarddiagnostik (gründlicher Anamnese, Verschlechterung bei Exposition/Besserung bei Karenz, Ausschlussdiagnostik, Testungen in vitro und in vivo) gelingt es, Fall für Fall zu klären. Das Problem ist insgesamt auffallend herstellerspezifisch. So nutzen 70 % der registrierten Polizisten Laserdrucker von Kyocera.
Das Bundesumweltministerium hatte schon im Juli 2007 die Hersteller aufgefordert, Vorschläge zur Emissionsminderung zu machen. Geschehen ist bisher nichts. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Kernfrage der Wirkung in einem vierjährigen Verfahren nicht aufgeklärt, schließt jedoch Risiken nicht mehr aus und fordert weitere Forschung mit hoher Priorität. Das Bundesgesundheitsministerium nimmt das Problem sehr ernst und hat sich für die Erforschung der Emissionen und Risiken ausgesprochen.

Am 28.1.2008 beschäftigte sich der Umweltausschuss des Deutschen Bundestages in einem Expertengespräch mit dem Problem, zu dem der Vorsitzende der Stiftung nano-Control als Experte geladen war, ebenso wie zur Innenraumluftkonferenz des Bundesumwelt¬ministeriums am 24.6.2009. Die Grünen stellten im Bundestag den Antrag, die Bevölkerung vor Laserdruckern zu schützen.
Die Stiftung nano-Control hat gemeinsam mit dem Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Freiburg den Freiburger Kreis initiiert, einen Zusammenschluss von Experten aus über einem Dutzend Instituten, der sich für die Erforschung der Wirkung ausgesprochen und hierzu ein Studienproposal erarbeitet und der Bundesgesundheitsministerin vorgelegt hat. Dort sieht man sich unzuständig, ebenso wie im Arbeits- und Verbraucherministerium. Das Umweltministerium hält es für ausreichend, die Partikel erforschen zu lassen, obwohl sich auch die Innenraumluftkommission der Forderung nach einer humanen Expositionsstudie angeschlossen hat.
Im Auftrag der Stiftung nano-Control hat die Universität Rostock Gewebe eines an Lungenkrebs verstorbenen Servicetechnikers durchgeführt und in den Lungenzellen Tonerpartikel nachgewiesen.
Die Stiftung hat jetzt zur Pilotierung der Expositionsstudie eine erste Untersuchungsreihe an drei Universitäten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse werden noch 2009 erwartet.

Ärzte sollten Gesundheitsschädigungen durch Emissionen aus Laserdruckgeräten bei der Diagnostik ungeklärter entzündlicher Erkrankungen berücksichtigen und Patienten diagnostisch und therapeutisch unterstützen.

Laserdruckgeräte gehören aus lufthygienischen Gründen nicht in den Patientenbereich von Krankenhäusern, Kurkliniken und Arztpraxen! Moderne Tintenstrahldrucker sind eine schnelle, gefahrlose und preisgünstige Alternative. Professionelle Filter können Emissionen deutlich reduzieren (F www.sicher-drucken.de).
Ärztliche Meldepflicht:
Erkrankungen durch Toner sind gem. § 16e Chemikaliengesetz von Ärzten anonymisiert an die Vergiftungsstelle des BfR zu melden (Fax. 030 84123929).
Quellennachweis:
Den Stand der Forschung und alle zitierten Studien finden Sie unter:
http://nano-control.de/informieren.html#K16.